Kampf um Tarifbindung in den Autohäusern

Warnstreik bei Daimler Nutzfahrzeuge in Koblenz eröffnet die Aktionswoche im Kfz-Handwerk

Unter dem Motto „Es wird Zeit – Tarifverträge jetzt“ legten am heutigen Montag um 14:30 Uhr rund 50 Beschäftigte der Daimler Nutzfahrzeuge in Koblenz die Arbeit nieder. Weitere Beschäftigten im Spätdienst werden ab 21 Uhr in den Ausstand treten. Mit dem einstündigen Warnstreik machen die Kolleginnen und Kollegen Druck für den Erhalt der Tarifverträge im Kfz-Handwerk in Rheinland Pfalz.

Bereits mittags hatten sie sich im Rahmen einer aktiven Mittagspause zu einer Kundgebung versammelt. „Wir lassen uns nicht abhängen. Wenn es die Flächentarifverträge im Kfz-Handwerk nicht mehr gibt, wird sich das auch für die Beschäftigten bei Daimler negativ auswirken.“ sagt Claus Poppenberg, Vertrauensmann der IG Metall und zugleich Betriebsratsvorsitzender bei Daimler in Koblenz.

Wie auch in anderen Autohäusern in Rheinland-Pfalz bangen die Beschäftigten bei Daimler in Koblenz um die Tarifbindung. Anfang 2020 hatte der Arbeitgeberverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe Rheinland-Pfalz die Tarifverträge gekündigt. Nun sind die Tarifverträge ausgelaufen und es gibt bisher keine neuen. Die Arbeitgeber hatten im Sommer 2020 ihre Vorstellungen vorgelegt, dabei wollen sie in vielen Punkten die Standards auf das gesetzliche Minimum senken, wie bei Urlaub und Sonderzahlungen. „Könnten sich die Arbeitgeber damit durchsetzen, hätte ein normaler Monteur bald rund 6000 Euro weniger Einkommen im Jahr.“ erklärt Stefanie Majer, Politische Sekretärin der IG Metall Koblenz: „Solche Bedingungen werden wir in Tarifverträgen nicht festschreiben. Wenn es um eine Modernisierung geht, beispielsweise der Beschreibung neu entstandener Tätigkeiten oder flexible Arbeitszeitkonzepte, sind wir gesprächsbereit und haben dies immer wieder angeboten.“

„Seit fast einem Jahr liegen die Gespräche allerdings auf Eis. Der Verband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe erklärt zwar, er wolle Tarifverträge, blockiert jedoch mit Verweis auf Corona seit Sommer 2020 jegliche Verhandlungen.“ so Majer weiter. „Während des Corona-Lockdowns haben die Kolleginnen und Kollegen hier wie in vielen Kfz-Häusern die Stellung gehalten und dafür gesorgt, dass Verkehr und Versorgung weiter funktionieren. Die Vertreter des Arbeitgeberverbands trauen sich aber nicht einmal die so wichtigen Verhandlungen aufzunehmen. Dafür haben unsere Kolleginnen und Kollegen kein Verständnis.“ sagt Claus Poppenberg. Tatsächlich sieht die Corona-Verordnung in Rheinland-Pfalz für Tarifverhandlungen sogar ausdrücklich Ausnahmen vom Versammlungsverbot vor. In anderen Branchen wurde verhandelt und Abschlüsse erzielt und bundesweit finden vielerorts aktuell Tarifverhandlungen im Kfz-Handwerk statt.

„Es stehen große Herausforderungen an. Dafür war die arbeitgeberseitige Kündigung der Tarifverträge und der andauernde Tarifstreit nun wirklich überflüssig und hinderlich. Außerdem ärgern sich die Kolleginnen und Kollegen über die Art und Weise der Kündigung.“ so Poppenberg weiter. Stefanie Majer erläutert: „Noch im November 2019 waren wir in Tarifgesprächen und haben einen Entgelttarifvertrag abgeschlossen. Einen guten Monat später kam ohne Ankündigung oder Gesprächsaufforderung die Kündigung der Tarifverträge. Wir erwarten aktuell zunächst eine Rücknahme der Kündigung und schließlich einen fairen Umgang, der einer Sozialpartnerschaft gerecht wird.“

In ganz Rheinland-Pfalz sind rund 20.000 Beschäftigte von der Kündigung der Tarifverträge betroffen.

Die aktuellen Aktionen sind Teil einer bundesweiten Aktionswoche im Kfz-Handwerk. In der Region Koblenz werden die ganze Woche weitere Aktionen in Autohäusern und Werkstätten stattfinden.

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